Material & Umwelt

Besteht Styropor aus Plastik? Was in EPS und in einer Dämmschüttung wirklich steckt

EPS besteht zu rund 98 % aus Luft. Was in Styropor und in einer gebundenen ThermoWhite® Dämmschüttung tatsächlich steckt und was man zu fünf häufigen Vorurteilen wissen sollte.

ThermoWhite® Belgien5 Min. Lesezeit
Nahaufnahme der Körnerstruktur einer ThermoWhite® Dämmschüttung
Die Schüttung aus der Nähe: EPS-Körner, verbunden durch ein mineralisches Bindemittel. Foto: ThermoWhite®.

Styropor (EPS) ist ein Kunststoff, besteht aber zu rund 98 % aus Luft. Der Kunststoff bildet nur die dünnen Wände winziger, geschlossener Zellen. In einer gebundenen Dämmschüttung wie ThermoWhite® ist der Kunststoffanteil noch einmal anders verteilt: Dort macht EPS-Granulat laut Umweltproduktdeklaration zwischen 10 und 15 % des Gewichts aus, den größten Teil stellt ein mineralisches Bindemittel.

Einfach erklärt

Von der Kunststoffperle zur Dämmschüttung

  1. Kunststoffperle

    Kleine Perlen aus Polystyrol sind das Ausgangsmaterial.

  2. Aufschäumen

    Die Perlen wachsen auf ein Vielfaches ihrer Größe, im Inneren entstehen geschlossene Zellen.

  3. Luftgefüllte Zellen

    Rund 2 % des Volumens sind Kunststoff, der Rest ist ruhende Luft.

  4. EPS-Granulat

    Je nach Produkt wird recyceltes oder neues EPS-Granulat für die Dämmschüttung eingesetzt.

  5. Gebundene Schüttung

    Granulat, mineralisches Bindemittel und Wasser ergeben eine Masse, die nach dem Austrocknen eine feste Schicht bildet.

Schematische Darstellung, nicht maßstäblich. Die Anteile der Bestandteile einer ThermoWhite® Dämmschüttung stehen in der Tabelle im Text.

Woraus EPS besteht

EPS steht für expandiertes Polystyrol. Man kennt es als Verpackung und als Dämmplatte, auf der Baustelle auch als Granulat. Ausgangsmaterial sind kleine Kunststoffperlen, die bei der Herstellung aufgeschäumt werden. Dabei wachsen sie auf ein Vielfaches ihrer ursprünglichen Größe, und in ihrem Inneren entstehen unzählige geschlossene Zellen voller Luft.

Diese Luft ist der eigentliche Dämmstoff. Sie sitzt in den Zellen fest und kann sich kaum bewegen. Ruhende Luft leitet Wärme schlecht. Deshalb dämmt EPS gut und ist zugleich sehr leicht.

Weißer Block aus expandiertem Polystyrol mit der typischen Perlenstruktur an der Schnittfläche

Symbolbild (KI-generiert): Ein EPS-Block mit der typischen Struktur aus verschweißten Perlen. Es zeigt kein ThermoWhite® Produkt.

2 % Kunststoff, 98 % Luft: Warum der Eindruck täuscht

Viele schätzen den Kunststoffanteil nach dem, was sie sehen: einen großen, weißen Block. Entscheidend ist aber, wie viel Material tatsächlich darin steckt. Bei EPS sind das rund 2 % des Volumens, der Rest ist Luft.

Raster aus 100 Feldern: 98 helle Felder stehen für Luft, 2 gelbe Felder für Kunststoff

Volumenanteile von EPS als Richtwert (nach EUMEPS): rund 98 von 100 Teilen sind Luft, rund 2 Teile sind Kunststoff (gelb). Schematische Darstellung. Grafik: ThermoWhite®.

Das erklärt auch, warum EPS-Abfall so viel Platz braucht. Ein Container voller Verpackungsreste wiegt wenig, weil er fast nur Luft enthält. Für das Recycling heißt das: Das Material muss gesammelt, zerkleinert und verdichtet werden, bevor es wieder verarbeitet werden kann.

Was in einer ThermoWhite® Dämmschüttung steckt

ThermoWhite® ist eine mineralisch gebundene Dämmschüttung aus EPS-Granulat. Auf der Baustelle entsteht daraus mit Bindemittel und Wasser eine Masse, die auf der Rohdecke die Leitungen umschließt und nach dem Austrocknen eine feste, formstabile Schicht bildet. Je nach Produkt besteht das Granulat aus recyceltem (R) oder neuem (N) EPS: Beim WD 70 R (R/N) laut Datenblatt je zur Hälfte, beim WD 100 R und beim WD 130 R aus recyceltem EPS.

Die Umweltproduktdeklaration (EPD) nennt die Anteile für drei Produkte:

Bestandteil (Anteil am Gewicht) WD 70 R (R/N) WD 100 R WD 130 R
EPS-Granulat 15 % 12 % 10 %
Mineralisches Bindemittel 50 % 57 % 60 %
Wasser 35 % 31 % 30 %

Die Tabelle zeigt auch, wie sich die Produkte unterscheiden. Je belastbarer eine Schicht sein muss, desto mehr Bindemittel braucht sie und desto schwerer wird sie. Die Trockenrohdichte steigt von 88 kg/m³ beim WD 70 R (R/N) über 110 kg/m³ beim WD 100 R auf 145 kg/m³ beim WD 130 R.

Mehr Bindemittel bedeutet aber auch weniger Dämmwirkung. Das zeigt die Spanne der ganzen Produktfamilie. ThermoWhite® WD 70 R (R/N) PREMIUM hat eine Trockenrohdichte von 70 kg/m³ und einen Bemessungswert der Wärmeleitfähigkeit von 0,040 W/mK, ThermoWhite® WD 170 R A2 kommt auf 230 kg/m³ und 0,077 W/mK. Welches Produkt passt, hängt deshalb davon ab, was der Boden tragen muss.

Fünf Vorurteile im Faktencheck

„Das ist ein Berg Plastik im Haus.“ Bei EPS selbst sind es rund 2 % des Volumens, bei ThermoWhite® 10 bis 15 % des Gewichts. Den größten Teil des Gewichts stellt das mineralische Bindemittel.

„EPS ist Sondermüll.“ Der Einwand stammt vom Flammschutzmittel HBCD, das in älteren EPS-Dämmplatten enthalten sein kann. Wie solche Platten zu entsorgen sind, regeln die Länder und Regionen unterschiedlich. Eingehendes Recyclingmaterial prüfen wir regelmäßig direkt bei der Anlieferung im eigenen Labor auf HBCD-Rückstände. Ab dem Grenzwert geht das Material nicht in den Kreislauf zurück. Wie sich ThermoWhite® am Ende der Nutzung einordnen und entsorgen lässt, richtet sich nach den Regeln der jeweiligen Region. ThermoWhite® Belgien klärt das bei Bedarf gemeinsam mit Ihnen und dem örtlichen Verwerter.

„Das gast doch aus.“ Laut EPD enthält das Produkt keine Stoffe aus der REACH-Kandidatenliste der besonders besorgniserregenden Stoffe mit einem Gehalt von mehr als 0,1 Gewichtsprozent.

„Styropor brennt wie Zunder.“ Laut Datenblättern erreichen ThermoWhite® WD 70 R (R/N) und WD 100 R die Euroklasse E nach EN 13501-1 und sind damit normal entflammbar, WD 130 R erreicht die Klasse B-s1. Wo nicht brennbare Baustoffe gefordert sind, gibt es ThermoWhite® WD 170 R A2 mit der Klasse A2-s1, d0.

„Da landet Mikroplastik in der Umwelt.“ Lose EPS-Kügelchen können verwehen, deshalb regelt die Gebrauchsanweisung den Umgang auf der Baustelle. Gemischt wird in geschlossenen Mischern, und Bindemittel und Wasser werden so dosiert, dass jedes EPS-Korn vollständig umhüllt ist. Im Freien wird die frische Schüttung bei Regen abgedeckt, Reste werden feucht zusammengekehrt, Spülwasser wird aufgefangen.

Häufige Fragen

Ist EPS dasselbe wie Styropor? Ja. Styropor ist ein Markenname für expandiertes Polystyrol, kurz EPS. Im Alltag wird der Name für das Material allgemein verwendet.

Dämmt mehr Kunststoff besser? Nein. Die Dämmwirkung kommt von der eingeschlossenen Luft. Mehr Material macht eine Schicht schwerer und fester, aber nicht wärmedämmender.

Wo finde ich die genauen Werte? Alle Kennwerte stehen in den Datenblättern und Leistungserklärungen, die Zusammensetzung in der EPD.

Welche Dämmschüttung für Ihren Boden passt und wie dick die Schicht sein muss, klärt der regionale Ansprechpartner von ThermoWhite® Belgien mit Ihnen.

Quellen & weiterführende Informationen

  1. EUMEPS – EPS: 98% AIR (Broschüre des europäischen EPS-Herstellerverbands) ↗

    Quelle für den Luftanteil von rund 98 % bei EPS. Die Angabe gilt für das Material EPS, nicht automatisch für die fertige Schüttung mit Bindemittel.

  2. ThermoWhite® Datenblätter ↗

    Trockenrohdichte, Wärmeleitfähigkeit und Brandverhalten der einzelnen Produkte.

  3. Umweltbundesamt – HBCD-haltige Dämmstoffe und Recycling ↗

    Hintergrund zum Flammschutzmittel HBCD. Die deutschen Entsorgungsangaben sind keine Handlungsanweisung für Belgien.